Man kann sich das Leben schwer machen oder man kann mit Leichtigkeit leben. Im Prinzip liegt die Entscheidung in einem selber. Und doch ist es nicht so einfach.

    Erstens ist es nicht eine intellektuelle Aufgabe zu entscheiden: ok, ab heute lebe ich mit Leichtigkeit. Sobald wir diesen Satz ausgesprochen haben, wehrt sich unser innerstes „Kampf- oder Flieh-Tier“ (angelegt seitdem der Mensch Mensch ist) und eine innere, tiefe Stimme sagt uns: Wie – Leichtigkeit??  Du hast Sorgen, Du hast die Erinnerung an die Trennung, die dich ständig verfolgen, Du bist nicht ganz gesund, Du hast finanzielle Sorgen, Du hast einen Kollegen, der Dich mobbt, schau Dich an Du bist ja nicht gut genug…..und  auch wenn das alles in Ordnung wäre, dann meldet sich trotzdem die dunkle Stimme und sagt Dir: Du musst Pläne machen, es ist Zeit was zu verändern, Du solltest endlich besser werden, schöner, schlanker, Deine Vision verwirklichen, der oder die macht es doch besser…Flight oder fight…immer wieder.

    Und jetzt ist fast Februar, und bald ist tibetisches Neujahr. Ich feiere also eher das tibetische als das westliche Neujahr und bald fängt also das Jahr des „Feuer-Gockelhahns“ an. Und wenn das letzte Jahr für viele anstrengend war, ist das Jahr des Feuer-Hahnes doch nicht unbedingt leichter, aber die Anstrengungen werden sich lohnen. Heißt es. Und um das Thema Vorsätze für das Neue Jahr anzusprechen: Sowas wie Vorsätze sind wie ich oben schilderte nur noch eine zusätzliche Windstörung (aus Sicht der Tibetischen Medizin erzeugt das „Pläneschmieden“ eine heftige Windstörung, bringt uns also erneut in einen Stresszustand das zu erreichen, was wir gerade nicht haben!). Und da lautet die Empfehlung: Wenn man schon Pläne schmiedet, dann bitte höchstens drei und diese gelten dann für eine gute Zeit. Für mich also ob neu oder alt gilt nur eins: Ich halte es simpel und angepasst an meine Realität und meine Konstitution! Und das ist die Zauberformel.  Sonst hätte ich nicht so viel auf die Beine gebracht mit drei Kindern und Beruf. Und dafür habe ich mich auch über die Jahre mit meiner eigenen Konstitution beschäftigt, aus ayurvedischer Sicht und aus der Sicht der TTM: wer bin ich, was brauche ich?

    Meine Konstitution?: ich bin Schleim…oder Wasser um es elegant auszudrücken. Auf Tibetisch heißt es bedken. Schlafe gerne lange, habe Tendenz eine couch potato zu sein, lese gerne, esse gerne, genieße gerne, könnte den ganzen Tag meditieren… und dann weiter kochen…und vor mich hinträumen. Was ich eigentlich  als bedken Mensch brauche, ist viel Bewegung, Schwitzen, warme Mahlzeiten und somit etwas von der verträumten Lethargie (und Pfunde) abzubauen. Mein Mann ist rLung (also Luft oder Vata auf ayurverdisch), der absolute Gegensatz zu mir, bewegt sich schnell, denkt schnell, effizient und ist dann auch noch Schwabe, was alle diese Qualitäten verstärkt. Und unser Hündin Yara (bedeutet Göttin des Wassers auf Guarani-Sprache – Ostbolivien), hat eben viel von mir (sie isst unglaublich gerne und mit Genuss, ist eben ein Wasser-Name) aber auch Anteile von meinem Mann: sie isst schnell und läuft schnell wie der Wind. Eine gelungene Mischung von uns beiden.

    Und zurück zum Thema Leichtigkeit:  in vielen meiner Kurse für Achtsames Selbstmitgefühl strahlen die Menschen sofort, wenn ich sie einlade sich den wohlwollenden Satz zu widmen: „Möge ich mit Leichtigkeit leben“.

    Viele entscheiden sich für diesen Satz der liebevollen Güte für sich selber, anstatt sich zu sagen: „Möge ich Glücklich sein“. Irgendwie ist in Leichtigkeit alles enthalten: Freude, Gelassenheit…wahrscheinlich sogar weniger Kilos… Aber was trägt denn dazu bei, diesen Zustand der Ungezwungenheit, Unbekümmertheit, Mühelosigkeit -wie der Duden Leichtigkeit beschreibt-  zu erreichen? Um es ganz praktisch zu formulieren und was für mich wirklich hilfreich ist:

      • Akzeptanz: das was ich erlebe (auch wenn es eine Herausforderung ist) anzunehmen. So wie es ist, ohne die ständige Bewertung (Bewertungen sind Energieräuber!). Nach dem Motto: „Lass es geschehen“ und versuche nicht alles zu kontrollieren (nur ein bisschen…).
      • Dankbarkeit: für alles was ich habe (und nicht mit dem Blick auf das was ich nicht habe!). Dafür lohnt es sich jeden Tag morgens drei Kleinigkeiten aufzuschreiben für die wir dankbar sind (diese Übung führt laut wissenschaftlichen Erkenntnissen zu Zufriedenheit, Glücksgefühl und verbessert sogar das Immunsystem).
      • Genuss:  bedeutet Dankbarkeit nach innen. Mit allen Sinnen geniessen: das Kochen, einen Moment, die ersten zarten Blumen im Garten, ein gutes Öl auf meiner Haut.
      • Geduld: die Grundlage für Geduld ist Verständnis und Geduld ist ein wunderbares Mittel gegen Wut und Zorn.
      • Vergebung: wir alle haben so unterschiedliche Hintergründe, Geschichten, Sorgen, Ausdrucksformen. Es ist fast ein Wunder nicht Fehler zu machen in sozialen Interaktionen. Vergebung bedeutet aber nicht: ich lasse alles durch. Sondern: ich vergebe meine Schattenseiten und auch Deine, denn wir alle haben diese Schattenseiten.

    ****************

    21. Januar 2017
  • Als ich etwa 21 Jahre alt war erkrankte ich an Asthma, ohne den kleinen Cortison Zerstäuber war mein Leben nicht mehr zu denken. Als mein Asthma sich so verschlimmerte dass ich kaum noch Luft bekam und ich nur noch 48 Kg wog, besuchte ich auf Empfehlung eines Tages in Spanien einen Mann in…

  •   Über viele Jahre während meiner Tätigkeit in Lateinamerika konnte ich keine richtigen Jahreszeiten erleben. Einmal fragte mich jemand: Warum möchtest Du nach Europa zurück? Wegen den Jahreszeiten, antwortete ich. Alles war wunderschön, da wo ich war. In jedes einzelne Land wo ich in diesem Kontinent gelebt habe, habe ich ein Stückchen Herz…