Einen großen Yogi und Geshe (tibetischer Gelehrter) als Gast zu Hause zu haben,  ist ein besonderes Ereignis. Ich hatte noch gut in Erinnerung wie es damals war – vor mehr als 20 Jahren – als mein Lehrer Lama Sherab Dorje uns in Bolivien besuchte. Wir lernten, dass der Tag mit einer Tasse warmen Wassers beginnt, um so das „innere Feuerchen“  – wie mein Sohn die Verdauungshitze nannte – anzuregen. Wir lernten, dass es nicht so schlimm ist, wenn das Wasser aus dem mit Stroh bedeckten Dach über unsere Köpfe tröpfelte und wir lernten – während eines Raubüberfalls auf unseren Jeep auf der Reise ins Tiefland – dass das Guru Rinpoche Mantra das beste Reisemittel ist, auch bei Streitigkeiten innerhalb des Teams (siehe Kinder oder Projektmitarbeiter). Lama Sherab begleitete uns bis in die abgelegendsten Ecken in Bolivien, ins Kallawaya-Gebiet, damals noch ein lebendes Relikt des Inka-Reiches. Die schönste Gegend der Anden – für mich – wo damals noch wenige Ausländer sich trauten und ich mein erstes Frauenprojekt für die Erhaltung und Stärkung der Kallawaya-Kultur und der Kallawaya-Frauen startete.

     

     

    Und so kam es, dass in dieser magischen Ecke der Welt, Frauen, Kinder und nur wenige Männer sich mit dem Medizin-Buddha vertraut machten. Einige der berühmten Kallawaya-Heiler, die mich zwar seit Jahren gut kannten – wurden doch etwas skeptisch wegen des Mannes im rot-orangen Gewand.  „Wie, wir sollen nicht Meerschweinchen opfern? „Ob er auch Heiler ist?“ fragte sich mein engster Mitarbeiter M., ob „er mir meine Arbeit wegnehmen möchte?“.

     

     

    Meine Worte der Beruhigung halfen wenig. Am Abend war M. überzeugt, dass der Lama der mächtigste Konkurrent seines Heiler-Berufes war, und um dieses in sich ausbreitende Gefühl zu unterdrücken, trank er so viel reinen Alkohol, bis er komplett betrunken vor der Tür des zukünftigen Frauenzentrums fiel. Er warnte die interessierten Frauen, die an der Buddha der Medizin Einweihung teilnehmen wollten: „Geht nicht dahin, dieser Mann will uns unsere Arbeit als Heiler wegnehmen. Und wenn ich jetzt lüge, dann soll der Berg vor uns umstürzen.“  Kaum hat er diese Worte ausgesprochen, fingen aus der obersten Spitze des Berges oberhalb der dunkeln Schlucht von Chari riesige Felsen zu rollen an. Mit einem lauten Krachen folgten weitere Felsen, Steine und schließlich eine riesige Masse Erde. Der Lama saß in der Zwischenzeit in einer der Hütten und bereitete unberührt weiter und friedlich seine Zeremonie vor.

    Nach dem gewaltigen Erdrutsch, rollten mir die Tränen über die Wangen, eine der nach der anderen. Was war da genau passiert?

    Eine argentinische Freundin, die uns damals begleitete, tröstete mich: „Wenn so eine großartige Energie einen Platz besucht, dann bewegen sich auch andere Energien, auch die negativen. Aber es ist ein gutes Zeichen.“ Und so gingen viele Frauen und auch einige Kallawaya-Heiler zufrieden und voller Zuversicht zur Buddha der Medizin Einweihung, in der Sicherheit, dass der Lama nur gute Absichten mit sich brachte.

    Und jetzt, so viele Jahre später, hat mein Lehrer Dr. Nida Chenagtsang den Besuch von Geshe Gendun Sherab zu uns, in unser Yuthok Zentrum ermöglicht. Eine Initiative die der unermüdlichen Arbeit meiner Kollegin aus Spanien, Isis Munoz (Sorig Khang Espana) zu verdanken ist, die den Besuch für weitere drei Länder organisiert hat.  Was für ein Segen! Sagte ich zu mir und zu anderen – und während ich diese Worte aussprach, erinnerte ich mich an den rollenden Berg von Chari. Was werden jetzt die Hindernisse sein?  Unser Ort Lüftelberg ist ein besonderer Ort: Kelten, Römer, die Heiligen, Heilerin Lufthilde – wo können hier die Hindernisse sein?

    Okay, dachte ich, Prävention ist immer gut und fing rechtzeitig an, alles vorzubereiten was ich nur konnte. Unser Garten: Hat zwar sehr schöne Bäume, aber noch wenige Blumen oder blühende Sträucher. Jeden Tag widmete ich Stunden dem Garten, um den Besuch von Geshe Gendun Sherab so schön wie möglich zu gestalten. Aber unser Meditationszimmer ist ja auch noch nicht fertig. Macht nichts, meinte ich zu meinem Mann: Wir verwandeln unser Wohnzimmer in einen kleinen Tempel. Ich erkundigte mich gut, was Geshe Gendun und sein Übersetzer, der Anthropologe Wu Qi, gerne essen würden und kaufte alles was ihr Herz  und Magen erwärmen könnte. Der Kühlschrank war voll. Für die Tage der Belehrungen bestellten wir das Essen vom Restaurant Himalayak, gutes tibetisches Essen. Der Garten blühte. Und unser kleines Zentrum wurde herausgeputzt, bis jede Ecke strahlte.

     

     

    Wenn ich zu müde war oder etwas nicht so lief wie ich wollte, widmete ich meine Arbeit der tibetischen Beschützerin Palden Lhamo, die Geshe La uns vorstellen sollte. Ich wusste, sie ist eine der 8 großen Dharma Phalas, also Beschützerin der Dharma Lehre, die Beschützerin der Praktizierenden.  Alles sollte für ihre Ankunft vorbereitet sein. Auch Shamata und Vipassana Belehrungen sollten stattfinden, die Basis der Meditation gelehrt werden, von so einem großartigen Meister und Lehrer, der über 20 Jahre in verschiedenen Höhlen in Meditation lebte. So ein Segen !

    Die ersten Hindernisse kamen mit den Anmeldungen. Wir hatten weniger als erwartet. Die Reise und Visa-Kosten sind hoch. Warum es so wenige Anmeldungen gab, weiß niemand, aber ich nahm es so an. Immerhin sind 15 Teilnehmer für ein kleines Zentrum nicht so schlecht. Einige Tage vor Geshe Las Ankunft aß meine Hündin Yara einen Giftköder und während ich zur Notpraxis für Tiere fuhr, rezitierte ich das Guru Rinpoche Mantra. Tatsächlich: Die Hindernisse waren da.

    Und endlich kam der Tag, wo Geshe Gendun und Wu Qi bei uns zu Hause waren und gleich abends kamen zwei schöne Holzschüsseln auf den Tisch: eine größere und eine kleinere. „Oh bitte, wir essen Tsampa  (siehe Beschreibung unten)  zum Frühstück, wir haben sie extra mitgebracht.“ Und morgens begann der Tag mit einer Tasse heißen Wassers und einer unglaublich köstlichen Tsampa, gerührt mit Yak-Butter und Yak-Käse. Nicht zu vergleichen mit der hiesigen Tsampa aus dem Bioladen, aber vergleichbar im Geschmack mit der Machika der Kallawaya-Indianer, die Anden-Tsampa also. Ein vertrauter Geschmack. Der Geschmack nach Freiheit, nach Natur und nach Leben, den ich aus den Anden kenne.

    „Iss Tsampa morgens, sie wird Dich verjüngen“, meinte Geshe La.

     

     

    Die Tage der Belehrungen waren so reich. So viele neue Details, die in anderen Shamata- oder Vipassana-Belehrungen einfach nicht erklärt sind. Shamata und Vipassana lehre ich seit 20 Jahren und doch waren die Belehrungen von Geshe Gendun so wunderbar und so anders: „Ich lehre aus meiner Erfahrung, ich lehre die Essenz.“ Und so war es.

     

     

    Die Praxis uns Ritual der Beschützerin Palden Lhamo erwarteten alle mit Neugier. Ich konnte meine Tochter dazu begeistern, am zweiten Tag der Belehrungen zu kommen. Auch sie erinnerte sich an die Kindheitszeit mit Lama Sherab. Mein Enkel Mateo begleitete sie. Und auch wenn Mateo nicht die ganze Belehrung folgen konnte – zwischendurch fiel der kleine 7-Jährige in eine lange Siesta bei der Zeremonie und Rezitation des Palden LHamo Mantra – erlebte er das Wesentliche:  eine kraftvolle Beschützerin, eine zornvolle dunkelblaue Frau, die Hindernisse beseitigen kann. „Mama, ob sie auch meine Lego Steine aufräumen kann?“ (Mateo sollte in den Tagen endlich seine Lego-Steine im Zimmer aufräumen!).

    Am letzten Abend der Belehrungen konnten wir am Himmel von Lüftelberg ein wunderbares Feuerwerk erleben. Es war nicht von mir organisiert, sah nur so aus 😉  Wir waren alle so unendlich glücklich und dankbar!

     

     

    Die nächsten Tage gab es immer wieder Tsampa zum Frühstück, oft mit deutschem Käse. Geshe La schien sich zu erkälten: „Ich würde beim Yak-Käse und bei der Yak-Butter bleiben. Unser Käse stopft die feinstofflichen Kanälchen.“ (In anderen Worten und laut der Traditionellen Tibetischen Medizin, Ernährung beeinflusst unseren physischen und auch unseren subtilen Körper). In der Zwischenzeit waren wir uns so nah gekommen und tauschten so vieles aus, dass mein Kommentar gut ankam und wir alle wieder zum Yak-Käse zurückkehrten. Meine Quinoa Heilsuppe mit Kräutern schien den Rest bewirkt zu haben.

    Die Tage der MO Konsultationen – das Tibetische Orakel – waren etwas entspannter. Endlich konnte ich meine Mails durchlesen und etwas mehr ausschlafen. In den Pausen lachten wir viel, erzählten uns aus unseren Leben, gingen lange shoppen, Geshe La segnete einige Personen auf der Straße und kaufte Geschenke.

     

     

    Keine Steine sind gerollt in Lüftelberg und die Widerstände schienen sich mit den Tagen aufzulösen.  Obwohl ich so wenig in der Woche geschlafen habe, war meine Energie so kraftvoll und meine Gedanken so klar. Jedes Lebewesen schien die Präsenz von Geshe La zu genießen: Meine Hündin schlief am Tisch unter seinen Füßen, meine Enkelin verweilte ruhig in seinen Arme und ich genoss jede Minute, jedes Gespräch und jeden Krümel Tsampa – der vertraute Geschmack, der Geschmack nach Leben!

     

     

    Tsampa    རྩམ་པ་ (geröstetes Gerstenmehl) gilt als heiliges Essen, sie ist nicht sehr schwer und hat heilende Eigenschaften. Dieses 100% natürliche Produkt enthält alles, was der Organismus braucht: Proteine und Kohlenhydrate in einem Verhältnis, der für eine korrekte Absorption von wichtigen Mikroelementen (Zink, Magnesium, Eisen, Kalzium, Kupfer, Selen und andere) und auch pflanzlichen Fasern durch den Körper optimal ist.

    Tsampa normalisiert das Säure-Basen-Gleichgewicht des Blutes, hilft bei der Auflösung von Cholesterin und Salzablagerungen in Blutgefäßen, in Gelenken, in der Wirbelsäule, Nieren und Leber. Tsampa ist gut für ältere Menschen, weil es Knochen stärkt und Arthritis verbessert. Tibetische Medizin empfiehlt, Tsampa bei Diabetes mellitus, Anämie, Nierenerkrankung, Vitaminmangel, Rückenschmerzen, Verlust der männlichen Potenz, chronischer Lungenkrankheit und für Menschen mit seniler Demenz.

    Tsampa benutze ich auch in der tibetischen Ku Nye Massage, als Abschluss nach der Massage oder auch sehr gut für Menschen mit Bedken-Konstitution!

    Rezept nach Geshe La   🍚

    Über die gewünschte Menge an Tsampa (Firma SONAM, Bioladen), Sauerrahm- Butter und Käse Krümel  streuen und mit heißem Wasser rühren, bis eine homogene Masse, ein fast trinkbarer Brei entsteht.

    Tsampa oder Machika in den Anden wird aber auch herzhaft oder süß genossen, z.B. mit Hafermilch und Heidelbeeren (oder andere Beeren). Wichtig ist das Einrühren mit heißem Wasser, danach kann man die Pflanzenmilch (lieber Hafer oder selbstgemachte Mandelmilch) einrühren. Und natürlich auch die herzhafte Variante mit Shiro Miso. Tsampa Bällchen für Reisen werde ich gesondert erklären.

    Lasst es Euch schmecken!!

     

     

    8. Juli 2017 0 comment
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